25. Workshop in Rostock

25. Workshop vom 29.11.-01.12.2013

Freitag, 29.11.

Um 18 Uhr versammelten wir uns alle im Aufenthaltsraum des Jellyfish-Hostels. Nach einer sehr sehr leckeren Kürbissuppe erzählen die Seefrauen von ihren letzten Einsätzen auf See:

Sie fährt als Chief Mate bei Hamburg-Süd. Ihre letzte Reise führte sie nach China, um dort einen Neubau in Dienst zu stellen und für die Reederei-Tochter Alliança nach Brasilien zu überführen. Eigentlich sollte die Reise nur sechs Wochen dauern, aber am Ende war Beate 4 Monate unterwegs, da es in der Werft in China noch Verzögerungen gab. Um während ihrer Abwesenheit ihr Privatleben zu organisieren, lässt sie ihre Post zu einem Sekretärinnen-Service umleiten. Die Reise in Brasilien den Amazonas hinauf bis nach Manaus war sehr interessant. Das Schiff war in Ballast und musste während der Flussfahrt mehrmals das gesamte Ballastwasser austauschen, um im Ankunftshafen den Fluss nicht mit Seewasser zu versalzen.

Sie ist bei Reederei Leisz in der Ausbildung zur Schiffsmechanikerin, 3. Lehrjahr. Ihren letzten Einsatz fuhr sie auf einem Containerschiff, das gerade auf Luxembourg-Flagge umgeflaggt worden ist. Da sie vorher bereits schon einmal auf dem gleichen Schiff gewesen war, konnte sie gut vergleichen, was sich nun geändert hatte: Es gab 3 Mann Besatzung weniger und einige erfahrene ABs wurden durch OSs ersetzt, die zum Teil noch nie auf See gewesen waren. Speziell auf Manöverstation beim An- und Ablegen führte das zu einigen Problemen. Die Reiseroute war auch sehr unklar. Ständig änderte sich die Charter und das Schiff wurde mehrmals umbeordert.

Sie fährt auf einem zivil besetzten Hafenschlepper der Marine in Eckernförde und Kiel. Obwohl sie ihr nautisches Patent noch nicht fertig ausgefahren hat, ist sie aus Personalmangel als Schiffsführerin eingesetzt. Dies ist möglich, da sich die Marine nicht an die in der restlichen Seefahrt geltenden Regeln halten muss. Allerdings darf sie nur mit einigen Einschränkungen als Kapitän fahren, so zum Beispiel keine Schlepps bei Nebel.

Sie macht Vertretungsreisen als Nautischer Offizier bei einer norwegischen Firma, die mit Spezialschiffen Unterwasser-Arbeiten durchführt. Zuletzt war sie auf einem Kabelleger und einem Dive-Support-Vessel. Sie zeigt uns einige sehr interessante Bilder und beschreibt, wie das Kabellegen auf See und die Arbeit mit Dynamic-Positioning vor sich geht.

Nach diesen sehr interessanten Berichten entbrennt eine Diskussion über die Abschaffung des deutschen Seefahrtsbuches, die seit August dieses Jahres Realität geworden ist. Viele Seeleute fühlen sich davon überrumpelt, da im Vorfeld kaum Informationen von Behörden oder Reedereien kommuniziert worden sind. Wir sind uns alle einig, dass diese Änderung für uns Seeleute keine Vorteile aber einige Nachteile bringen wird. Darin zeigt sich wieder mal, dass deutsche Seeleute keine Lobby haben!
Vor diesem Hintergrund und der aktuellen wirtschaftlichen Lage in der Seefahrt fragen wir uns, ob wir überhaupt noch junge Frauen dazu ermutigen sollten, zur See zu fahren. Schließlich kommen wir darin überein, dass diejenigen Frauen, die aus Überzeugung und aus Liebe zur Seefahrt einen maritimen Beruf ergreifen wollen, weiterhin unsere Unterstützung und unseren Rat bekommen sollen! Frauen fahren viel häufiger aus Überzeugung zur See und nicht weil man dort gutes Geld verdienen kann.

Samstag, 30.11.

Nach dem Frühstück in der Herberge fuhren wir alle nach Warnemünde. Dort gab es eine Führung durch den Schiffsführungs- und Maschinen-Simulator der Hochschule für Nautik und Seeverkehr. Dies ist einer der ganz wenigen Simulatoren, bei dem Übungen für Nautiker und Maschinisten kombiniert werden können. Entsteht zum Beispiel im Maschinen-Bereich ein Fehler, kann dies auf der Brücke zu Ausfällen führen.

Zum Abschluss der Führung durften wir auf zweien der Fahrbrücken (insgesamt gibt es vier) eine kombinierte Übung fahren, bei der auf der einen Brücke ein Frachtschiff und auf der anderen ein Schlepper simuliert wurde, die gemeinsam durch den Hamburger Hafen fuhren.

Mittags fanden wir uns wieder alle in der Herberge ein, wo es als Mittagessen noch einmal die vorzügliche Kürbissuppe gab.

Nachmittags führten wir dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Mitgliederversammlung.

Abends ließen wir den Tag bei einem gemeinsamen Abendessen im SalsaRico ausklingen. Wer Lust hatte bummelte danach noch über den nahen Rostocker Weihnachtsmarkt oder traf sich zu einem Glas Wein und gemütlichen Gesprächen im Aufenthaltsraum der Herberge.

Sonntag, 01.12.

Nach dem Frühstück führte uns Elke durch die östliche Altstadt von Rostock. Sie zeigte uns das Steintor, Teile der alten Stadtmauer und eine Kirche, in deren Dachgeschoss Wohnungen eingebaut sind. Zum Abschluss besichtigten wir noch die Petri-Kirche, deren Turm unter anderem auch als Seezeichen dient. Wer mit dem Schiff die Warnow nach Rostock hochfährt, kann sie als Ansteuerungsmarke nutzen und auch vom Kompensier-Dalben in Marienehe dient sie als Peilmarke. Oben vom Turm der Kirche, auf den sogar ein Aufzug hinaufführt, hat man einen wunderschönen Ausblick über Rostock. Leider war es dort jedoch auch so zugig und kalt, dass nicht alle mit hochkommen wollten.

Schiffsführungs- und Maschinen-Simulator in Warnemünde der Hochschule Nautik und Seeverkehr

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