29. Workshop in Bremerhaven

29. Workshop vom 22.-24.04.2016

Freitag, 22.04.

Nachdem alle elf Seefrauen langsam in der Seemannsmission eingetrudelt waren, wurde begrüßt und vorgestellt. Der Freitag wurde genutzt, um Verbandsangelegenheiten zu klären.

Samstag, 23.04.

Nach dem Frühstück gab es eine Überraschung als vier frisch angeworbene Studentinnen aus Elsfleth ankamen. Mit dem neuen Zuwachs pilgerten wir zum Alfred Wegener Institut, kurz AWI genannt, wo wir eine super Führung bekamen. Erst hinterher erfuhren wir, dass Führungen nur noch bis Dezember 2016 durchgeführt werden. Das AWI-Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung ist eine Stiftung, die von vielen verschiedenen Einrichtungen unterstützt wird. Alles ist nachzulesen auf der Homepage: www.awi.de. Viele Forscher:innen, Doktorand:innen und Diplomat:innen gehen dort ein und aus, darunter sind vor allem Biolog:innen, Geodät:innen und Meteorolog:innen.
Alfred Wegener selbst wurde bekannt durch seine Theorie Kontinentalverschiebung. Leider verstarb er 1930 auf einer seiner Expeditionen zum Nordpol an einem Herzinfarkt mit jungen 50 Jahren.

Die allererste deutsche Nordpolexpedition fand bereits 1868 mit dem Segelschiff Grönland statt. Die Grönland ist 29 m lang und segelte mit 14 Leuten an Bord. Inzwischen dient sie als Museumsschiff.
Heute wird total edel auf der Polarstern sowohl zum Nordpol wie auch zum Südpol gereist. Die Polarstern ist ein Wissenschaftseisbrecher, sie dient zur Forschung, als Eisbrecher und als Versorger für die diversen Forschungseinrichtungen am Nord- sowie am Südpol. Deswegen pendelt sie immer hin und her. Meist läuft sie zum Auffüllen von Proviant, Wasser und Kraftstoff, Kapstadt an bevor sie zum Südpol fährt. Nur zwei Wochen pro Jahr verbringt sie jeweils in Bremerhaven um rundum überholt zu werden. Denn die Fahrt durch Eis und das raue Klima an den Polen fordert jeweils seinen Tribut. Der Rumpf ist mit 5 cm dickem Spezialstahl ausgerüstet, so dass die 118 m lange und 25 m breite Polarstern sich durch bis zu 6 m dickes Eis kämpfen kann. Sie bietet rund 100 Leuten Platz und ist immer ausgebucht.

An Bord sind nicht nur 20.000 PS versteckt sondern auch zwei Hubschrauber, mehrere Kräne und diverse Labore. Eigentlich ist die Polarstern ein kleines schwimmendes Institut. Kommt sie am Nord- oder Südpol an, so geht sie einfach an der Eiskante längsseits und hievt das Mitgebrachte mit den Bordkränen auf das Eis. Von dort wird es mit Schlitten 10 km ins Landesinnere zur Forschungsstation gebracht.

Nordpol - Arktis
- Ort bestehend aus mehreren Landmassen
- Im Sommer warm (bis zu 25 °C) wegen dem Golfstrom und im Winter Minustemperaturen
- Permanentes Eisklopfen wegen "schwarzem Nebel" = Frost
- Wetterleuchten im Winter
- Forschungsstation unter dem Eis (weil gesunken)

Südpol - Antarktis
- Kontinent zweimal so groß wie Australien
- Immer Minustemperaturen (-25 °C)
- Sehr trockene Luft, es wird empfohlen, am Tag 5-6 l  Flüssigkeit zu sich zu nehmen; einen Schneemann zu bauen, ist unmöglich
- Zappenduster im Winter
- Forschungsstation über dem Eis (weil auf Stelzen)

An beiden Polkappen herrscht raues Klima und ständig wehen starke Winde über das Land, die sogenannte White Outs kreieren können. Wenn das geschieht, sieht man innerhalb von Sekunden nichts mehr und verliert total die Orientierung. Aus diesem Grund sind Leinen gespannt, an denen man sich festhalten kann, wenn man mal in der Kälte einen Spaziergang machen will.

Im Norden kommt noch der Frost dazu, der das ganze Schiff oder die Forschungsstation bedeckt. Dieser Frost wird auch "schwarzer Neben" genannt und kann an Bord ganz schön Probleme verursachen.

Mehrere Länder haben am Südpol jeweils ihre Forschungsstation stehen und alle kämpfen mit demselben Problem: Das Gebäude sinkt. Viele kluge Köpfe taten sich zusammen, um eine Lösung zu finden. Die Engländer bauten ein Gebäude aus Holz, doch dieses Patent bewährte sich nicht, da es sich drehte und die Forscher nun auf der Decke gehen. Schlussendlich hat man sich für das Gebilde auf Stelzen entschieden. So wurde die Neumeyer III geboren. Unter der Eisdecke liegt die Garage mit all den Schneegefährten. Mit Hilfe von diesen wird immer wieder Schnee unter die Stelzen gebaggert, um ein weiteres Absinken zu verhindern.
Die Forschungsstation wird durch Dieselmotore betrieben. Ein Windgenerator wurde auch installiert, kann aber nicht so häufig benutzt werden, da der Wind oft zu stark bläst. Solarzellen machen keinen Sinn, denn im Winter ist es immer dunkel.
Im Raum, den die Forscher nutzen, um ihre mitgebrachten Proben zu untersuchen, verrät uns die Frau, die die Führung macht, dass das Ozonloch vor 150 Jahren bereits schon einmal so groß war die heute. Dies konnten die Wissenschaftler:innen anhand der herausgebohrten Eiskerne feststellen.
Weiter verrät sie uns, dass in etwa 10.000 Jahren die nächste Eiszeit erwartet wird. Erst einmal ist aber Erwärmung angesagt, was zur Folge hat, dass das Eis an den Polkappen schmelzen wird. Doch auch dies ist bereits mindestens einmal geschehen, also kein Grund zur Panik.

Nach all dieser Geheimnislüfterei wurde uns erlaubt, den Kühlraum zu betreten (nur für die Hartgesotteten, denn da drin waren es -29 °C). Es war nicht erlaubt, sich irgendwo festzuhalten, nicht einmal am Treppengeländer, denn man wäre sofort festgefroren. Danach wurde durchgezählt, um sicher zu gehen, dass auch keine Frau vergessen wurde.

Ein paar Treppen weiter oben fanden wir uns an einem ganz anderen Ort wieder: Pinguine und Eisbären wurden tot aufgefunden, nach Deutschland gebracht und in einem aufwändigen Verfahren ausgestopft. Der Eisbär wog bei seiner Geburt stolze 500 g und war ganz schwarz.

Zum Schluss der Führung gab es einen Film zu sehen.

Nach einer kleinen Stärkung ging es weiter mit dem Besuch im Schifffahrtsmuseum. Unter anderem wurde uns dort das Herzstück und sein ganzer Stolz gezeigt: Eine Hansekogge, die man aus der Elbe gefischt hatte und die noch ziemlich gut erhalten war, wenn auch nicht ganz fertig gebaut. Doch natürlich gab es noch vieles mehr im Schifffahrtsmuseum zu bestaunen.

Nach der Führung ging es sogleich weiter auf den Aussichtsturm, wo uns der Wind um Ohren und Nase pfiff.

Zurück in der Seemannsmission gab es einen spannenden Vortrag von einer unserer Seefrauen über den Kümo, auf dem sie momentan fährt.

Nach dem Abendessen hielt der Mann einer unserer Seefrauen einen Vortrag über den Job auf einem Tonnenleger. Er hat dort als Schiffsmechaniker gearbeitet und konnte uns ganz genau erklären, wie die Tonnen gewartet werden und was zu tun ist, wenn eine Tonne nicht am richtigen Ort ist oder wenn man aus versehen eine mitnimmt. So erging es jedenfalls einem Errichterschiff auf dem Weg nach Emden.

Danach erleuchtete uns eine Seefrau über das Mettier der Schlepperkapitän:innen und Steuerleute. Für die noch Fahrenden unter uns war es sehr interessant, die Tücken eines Anlegemanövers mal aus der Sicht eines Schleppers zu betrachten. So ein kleiner Schlepper und seine Besatzung geht eine großes Risiko ein, wenn er sich vor einen Schiffsbug begibt. Es wirken enorme Kräfte auf das kleine Boot beim Schleppen, was sogar zum Kentern führen kann.

Sonntag, 24.04.

Nach einem Langschläferfrühstück düsten einige schon los. Die anderen machten noch eine Hafenrundfahrt.

Wieder einmal hat das Treffen alle beflügelt, Mut gemacht und einige von uns begaben sich voller neuer Energie und Zuversicht auf zu neuen Taten zu Land und zu Wasser.

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