23. Workshop in Kiel

23. Workshop vom 07.-09.09.2012

Freitag, 07.09.

1800 Uhr Treffen in der Jugendherberge Kiel. Nach dem gemeinsamen Abendessen wurden die Zimmer eingeteilt und bezogen. 1930 Uhr Treffen im Tagungsraum der Jugendherberge. Es folgte eine offizielle Vorstellungsrunde aller Teilnehmerinnen. Es sind ca. zehn Frauen aller Altersstufen und aus den verschiedensten Einsatzbereichen an Bord zusammengekommen. Danach wurde eine E-Mail der Vorsitzenden vorgelesen, die diesmal leider nicht persönlich
teilnehmen konnte.

Der Abend wurde durch einen Vortrag über den Haikutter Zela von ihrer Eignerin abgerundet. Sie erzählte von ihren ersten Gedanken und Träumen von einem Haikutter, ausgelöst durch eine Überführung eines ähnlichen Schiffes, bis zum ersten Bild, das sie von Zela (Baujahr 1905) erhielt, auf welchem man gerade mal die Konturen eines halb gesunkenen Schiffes unter Wasser erkennen konnte.
Es folgte eine langwierige Restauration/Wideraufbau bis Zela erstmals nach über 20 Jahren wieder grob seetüchtig ist und die Überführung von England nach Dänemark übersteht. Zwar ist es noch ein langer Weg bis Zela wieder segeln wird, aber wir freuen uns schon jetzt auf eine Fortsetzung der Geschichte. Mehr Informationen zu Zela unter: www.haikutter-zela.de.

Nach dem Vortrag löst sich die Gruppe auf. Einige Teilnehmerinnen besuchen noch eine nahe gelegene Kneipe. 0030 Uhr alle Frau in der Koje.

Samstag, 08.09.

0700 Uhr Frühstück. Danach finden alle ihren Weg zum Caterpillar-Maschinenwerk in Kiel-Friedrichsort, wo wir eine Werksführung bekommen. Die Führung beginnt mit einer Powerpoint Präsentation über die Anfänge der MaK, die Übernahme durch Caterpillar und die verschiedenen Produkte.
Die Damen wurden mit Sicherheitswesten, Brille, sowie Headset ausgerüstet. Mit der Übernahme von Caterpillar wurden auch die amerikanischen Betriebsstrukturen übernommen. Auf den ersten Blick fielen diese nur bei dem Management der Betriebsvorgänge auf, die üppig mit Tafeln, Bildern und Farben gekennzeichnet wurden. Jedoch rühmt sich der Betrieb auch damit, dass er eine wahnsinnig lange Zeit ohne einen einzigen Unfall überstanden hat. Deswegen dürfen wir selbst am Wochenende, wo nicht gearbeitet wird, nur auf den bezeichneten Gehwegen im Werksgelände laufen.
Beeindruckend war hier zu sehen, wie ein riesiger Schiffsmotor in den einzelnen Schritten hergestellt wird; wie aus einem klobigen Eisen-Klotz, der einmal das ganze Werksgelände durchläuft, schließlich nach und nach das Herz eines jeden Schiffes heran wächst und welch Millimeter genaue Arbeit dabei geleistet werden muss.

Mit Kaffee und Kuchen ging es im Tagungszimmer der Jugendherberge weiter. Per Email wurde eine interessante Frage von der Vereinsvorsitzenden an die Vereinsmitglieder gestellt: Wie wolle man denn nun als weiblicher Kapitän angesprochen werden?
Es folgen Auszüge der geäußerten Meinungen: Da die Seefahrt international ist, ist die Frage der Bezeichnung ein eingedeutschtes Problem. Im Englischen gibt es keine Unterscheidung nach Geschlecht. Captain bleibt Captain. Wenn Kapitän..? Wo soll die Betonung liegen, auf dem Beruf Kapitän oder auf dem weiblichen Geschlecht (Kapitänin)? Eine große Einigkeit herrschte aber darin, dass die Anrede an sich eigentlich völlig egal sei, solange eine Frau als Person in ihrer Stellung akzeptiert und respektiert wird. Daher war die Diskussion schnell beendet. Ein Vorschlag für die Anrede fiel auf „Frau Kapitän“ (auch wenn dies in früheren Zeiten üblicherweise die Anrede der Frau des Kapitäns war).

Als nächstes wird besprochen, welche Vorstellungen heutige Berufsanfänger(innen) von der Seefahrt haben und welche Möglichkeiten der Verband hat, Interessentinnen eine realistische Vorstellung zu vermitteln. Auch die Reedereien als Zuständige sollten dafür sorgen, aber nur einige wenige bieten dies an. Es entbrennt die Diskussion, welche Ausbildung (Nautikstudium mit Praktika vs Schiffsmechaniker:in + Fachschule) die bessere sei und welche die besseren und umfangreicheren Kompetenzen vermittle.
Von den beiden Leeraner Studentinnen wurde dann von ihrer Idee einer großen Nautiker-Studentinnen Party erzählt. Von den Verbandsmitgliedern wurde Interesse und Unterstützung geboten und es kam der Vorschlag, den nächsten Workshop des Verbandes und die besagte Party zusammen zu legen.

Abschließend wurde der Film „Rias Abschiedstour“ gezeigt und nach einem gemeinsamen Weinchen, verschwanden alle in die Koje.

Sonntag, 09.09.

Am nächsten Morgen trafen wir uns und gingen gemeinsam auf eine Brücke, welche über den Kiel Kanal hinweg führt. Von hier aus sah man die Schleuse, sowie den Schiffverkehr unter uns. Danach fand die Führung der Holtenauer Schleusenanlage statt. Unsere Führerin war sehr belesen und kompetent und erzählte uns die Geschichte der Schleuse von den Anfängen über Wilhelm I bis hin zu seiner heutigen Form. Wir begingen die alte Schleuse, welche zur Zeit nicht benutzt wurde.
An der neuen Schleuse beobachteten wir ein paar Schleusungen, winkten ein paar fleißigen Matrosen zu und begaben uns in das Kanalmuseum, in welchem die Geschichte des Kanals mit interessanten Anekdoten unserer Führerin veranschaulicht wurde und ein Modell des gesamten Kanals ausgestellt war.

Da einige eine längere Zugreise vor sich hatten, verabschiedeten wir uns und begaben uns auf den Heimweg, während ein Teil der Gruppe noch die Möglichkeit wahrnahm, einen Spaziergang zum Holtenauer Leuchtturm zu machen, in Thiessens berühmtem Kaffee an gleichnamigem Kai einzukehren und den kleinen Schlepper Flemhude zu besichtigen.

Abschließend möchten wir hinzufügen, dass es eine spannende Erfahrung gewesen ist, an dem Workshop teilzunehmen. Wir haben die Seefrauen einmal von einer ganz anderen Seite kennengelernt, nicht nur in ihrem Beruf auf See oder an Land. Deswegen freuen wir uns schon darauf, nächsten März alle bei uns in Leer begrüßen zu können!

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