06. Workshop in Rostock

06. Workshop vom 03.–04.11.2001 in Rostock

Samstag, 03.11.

Ab 1330 Uhr treffen sich alle Teilnehmerinnen des Workshops am Fährterminal im Rostocker Überseehafen. Kurz
nach 1400 Uhr bringt uns dann ein Shuttlebus an Bord der Fahre Mecklenburg-Vorpommern. Dort werden wir sehr herzlich mit einem Glas Sekt vom Service-Manager Peter Doß willkommen geheißen, der uns anschließend auch die Kammern zuweist. Dann gibt es Kaffee uno Erdbeertorte. Währenddessen findet die Begrüßung durch unsere Vorsitzende Dr. Christine Keitsch sowie Kapitän Ernst Schomacker und Bärbel Neubauer, der Initiatorin dieser tollen Fährfahrt statt.

Um 1515 Uhr legt die Fähre ab. Die Tagungsteilnehmerinnen dürfen das Ablegen und die Ausfahrt aus dem Rostocker Hafen auf der modern ausgestatteten Brücke erleben, wo der Kapitän und der Erste Offizier noch für Fragen zur Verfügung stehen. Nachdem die Mecklenburg-Vorpommern die Warnemünder Molen passiert hat, beginnt eine Führung über das gesamte Schiff unter der Leitung von Peter Doß.. Wir erfahren dabei, dass die 1996 gebaute RoRo-Fähre 200 m lang und 30 m breit ist und einen Tiefgang von nur 6,5 m hat. Neben Lkw- und Pkw-Decks gibt es ein Eisenbahn-Deck mit 930 m Schienenlänge. Mit einer Maschinenleistung von 36.000 PS erreicht die Mecklenburg-Vorpommern eine Geschwindigkeit von 23 kn. Die 88 sm von Rostock nach Trelleborg und retour werden mit einem Durchschnittstempo von 16 bis 19 kn zurückgelegt.

Deck 7 ist ausschließlich der 40-köpfigen Besatzung vorbehalten. Beeindruckend war hier u.a. der Fitness-Bereich mit Schwimmbad, Sauna und Solarium. Die Decks 5 und 6 stehen für die Passagiere zur Verfügung. Die Fähre hat über 150 Kammern mit insgesamt 400 Betten, ferner eine Cafeteria, ein Restaurant, Aufenthaltsräume, ein Bistro, ein Kino, einen großen (ehemaligen) Duty-Free-Shop, eine Lounge für ca. 30 Personen und zwei Konferenzräume.

Der Service-Manager betont, dass die Passagierzahlen trotz der guten Angebote sehr gering seien und u.a. aufgrund des fehlenden Duty-Free-Handels der Umsatz in diesem Bereich bei weitem nicht den Erwartungen entspricht. Das Frachtvolumen nehme dagegen kontinuierlich zu. Es gibt Überlegungen, die Fähre dementsprechend umzubauen.

Beim Rundgang durch den Maschinenraum zeigt uns der Chief ein maßstabsgerechtes Modell der gesamten Maschinenanlage. Vier MAN Hauptmaschinen erbringen je 9.600 PS auf zwei Wellen. Etwa 7.000 Stunden Laufzeit hat die Maschine jährlich, alle zwei Jahre erfolgt eine Werftüberholung.

Im Sicherheitsbereich an Deck 5 liegen 800 Rettungswesten sowie Kälteschutzanzüge für die Wasserrettung. Eine unserer Seefrauen zieht probehalber einen an. Es gibt zwei Notrutschen, die in rund zwölf Minuten aufgeblasen sein können. Sie werden einmal im Jahr von der gesamten Besatzung erprobt.

Nach dem sehr ausführlichen und interessanten Schiffsrundgang versammeln wir uns gegen 1800 Uhr wieder in unseren Tagungsräumlichkeiten im Nicht-Raucherbereich des Bordrestaurants. Nachdem alle Formalitäten erledigt sind, wird ein sehr leckeres und reichhaltiges Abendessen serviert.

Um 2000 Uhr treffen wir uns dann in der VIP-Lounge, wo ein Fassbier und ein spannender Vortrag von Dipl. Ing. Ramona Zettelmaier, Mitarbeiterin von Lloyds Register in Hamburg auf uns warten. Ramona informiert ausführlich über das Thema Ballastwater Management. Mittels computergestüzter Schaubilder verdeutlicht sie die Ballastwasser-Problematik, bei der Mikroorganismen wie Algen, aber auch Bakterien und Viren weltweit in Küsten- und Hafengewässern verteilt werden. Zum Schutz der Umwelt hat die IMO 1997 erstmals entsprechende Richtlinien entworfen, mit deren Hilfe dieses Problem angegangen werden soll. Inzwischen werden verschiedene Methoden zur Aufbereitung des Ballastwassers getestet bzw. empfohlen und erforscht: mechanische, physikalische und chemische. Lloyds Register hat 26 Schiffe bei den verschiedenen Methoden hinsichtlich bestimmter Kriterien untersucht. Die Vor- und Nachteile der verschiedenen Verfahren sind noch nicht ausreichend erprobt. In ihrer Zusammenfassung betonte Ramona daher auch ausdrücklich, dass es noch nicht klar ist, welche Vorgehensweise sich als finanzierbar und durchführbar bzw. praktikabel erweisen wird und eventuell eine weltweite Akzeptanz finden kann. Nach dem Ende des ca. 1,5-stündigen Vortrag schließt sich noch eine rege Diskussion zum Thema an.

Danach wird eine Projektidee vorgestellt und um Unterstützung gebeten: Im Rahmen der Ausbildung zur Videofilmerin soll eine Semesterarbeit über Seefahrtslegenden und -mythen sowie über Frauen in der Seefahrt entstehen.

Sonntag, 04.11.

Der Tag beginnt mit einem Frühstücksbuffet. Kapitän Ernst Schomacker verabschiedet sich, ihm wurde herzlich gedankt. Nach dem Verlassen der Fähre kurz vor deren Abfahrt um 0745 Uhr finden wir uns alle gegen 0830 Uhr im Fischereihafen in Marienehe ein. Traute Secander, Leiterin des Hafenbetriebs, berichtet uns über die Entwicklung bzw. Umstrukturierung des Fischereihafens nach der Wiedervereinigung. Vom reinen Fischanlandeplatz mit Kühlhaus hat sich die Struktur gewandelt zu einem Umschlagplatz für Getreide, Fisch, Holz u.a. mit einem jährlichen Umschlagsvolumen von 0,75 Mio. t.

Nach dieser umfassenden Einführung wird das Traditionskabinett des Fischereikombinates besichtigt, in dem viele Exponate und Informationen über die Geschichte der Hochseefischerei der DDR zusammengetragen wurden. Von Fotos und Modellen, bis hin zu Konservendosen und Rezeptheften. Die Ausstellung wird von ehemaligen Mitarbeitern des Fischkombinates in ehrenamtlicher Arbeit zusammengetragen und ist sehr sehenswert. Mit einem herzlichen Dankeschön an Frau Secander und einer Spende für den weiteren Ausbau des Traditionskabinetts verabschieden wir uns.

Einige Teilnehmerinnen traten von hier aus direkt den Heimweg an, die Mehrheit lässt den Workshop im Lokal Zum Goldenen Anker ausklingen.

Zurück