Ich bin Irene.

Moin!

Ich heiße Irene und studiere im siebten Semester Nautik in Elsfleth. Aufgewachsen bin ich aber wie viele Seefahrerinnen gar nicht an der Küste, sondern in Erfurt. Schiffe fand ich schon immer interessant, und als Schülerin nahm ich an einem Segeltörn des Vereins Clipper teil und erkundete eine Woche lang mit einem Traditionssegler die Ostsee. Damit war die Begeisterung endgültig geweckt und neben weiteren Törns nutzte ich die Schulzeit für das maritimste, was in Thüringen so möglich ist: die Sportbootführerscheine erwerben.

Dadurch verfestigte sich der Berufswunsch und gleich nach dem Abi fuhr ich nach Flensburg zur Marineschule. Während der Ausbildung dort und auf der Gorch Fock stellte ich dann aber fest, dass mir zwar die Seefahrt wirklich Spaß macht, ich meine Ausbildung aber lieber zivil fortsetzen möchte. Ich tauschte also Flecktarn gegen Overall und begann die NOA-Ausbildung bei ATR Landhandel.

Die folgenden sechs Monate verbrachte ich auf Ilka und Maike, beides Küstenmotorschiffe mit 72 beziehungsweise 82 m Länge. Eine ganz andere Welt als bei der Marine, denn hier sind nur fünf oder sechs Personen an Bord, mich eingerechnet. Wenige Wochen zuvor waren es noch 200 Leute auf 82 Metern Schiff. Meine Vorkenntnisse waren sehr nützlich, sodass ich schnell in den Bordalltag eingebunden wurde. Die meisten Reisen fanden auf der Nordsee statt, häufig nach England, zwischendurch Niederlande und Frankreich. Dank motivierter Steuerleute und Kapitäne lernte ich neben praktischen Tätigkeiten wie Entrosten und Malen auch schon viel über Navigation, Reiseplanung und Maschine. Auch ein Werftaufenthalt stand mit auf dem Programm. Und Gelegenheiten zum Landgang, wo ich regionale Käsespezialitäten getestet habe.

Dann ging es nach Elsfleth, und nach einer Segelreise auf dem Ausbildungsschiff Großherzogin Elisabeth mit dem ganzen Semester war klar, dass Studieren viel mehr Spaß macht als Schule, denn man trifft Leute mit ähnlichen Interessen und beschäftigt sich mit Themen, die man in der Praxis später braucht.

Entsprechend vergingen die Theoriesemester schnell und jetzt befinde ich mich im zweiten Praxissemester auf Anouk, einem der beiden jüngeren Schiffe der ATR-Flotte. Durch eine andere Crew als im ersten Semester lerne ich auch dieses Mal wieder einiges dazu, denn schließlich hat jeder eine andere Herangehensweise und andere Schwerpunkte. Ich konnte astronomische Navigation ausprobieren und viel Übung beim Steuern im Nord-Ostsee-Kanal erwerben, denn die Reisen führen jetzt häufig in die Ostsee.

Insgesamt fühle ich mich wieder sehr wohl an Bord und freue mich schon darauf, nach den Abschlussprüfungen richtig loszulegen als Steuerfrau.

 

Ich bin Sarah.

Servus und Moin zusammen!

Seit meinem ersten Workshop im Herbst 2018 in Lübeck bin ich Mitglied im Berufsverband Frauen zur See! Ich freue ich mich sowohl von den Connections im Verband profitieren zu können als auch an einer modernen, zukunftsträchtigen Struktur des Vereins mitzuarbeiten.

Ursprünglich komme ich aus München und studiere in meinem dritten Theorie-Semester im Fach Nautik an der Jade Hochschule, Elsfleth. In insgesamt drei Einsätzen im Fahrtgebiet Europa als NOA (Nautical Officer Assistent) auf Öl-/Chemikalientankern der Reederei Carl Büttner, Bremen habe ich nicht nur den Schiffsbetrieb von Deck über die Maschine bis auf Brücke mit den dazugehörigen Aufgaben eines Offiziers kennengelernt, sondern im Bordalltag auch viel über Charaktere und menschliche Beziehungen in einem Ranggefüge und zwischen unterschiedlichen Nationalitäten gelernt. Auch wenn es gewiss nicht immer einfach an Bord gewesen ist - gerade als Frau muss ich leider dazu sagen - und ich des Öfteren die Zähne zusammenbeißen musste, so bin ich doch von der Seefahrt und dem Offiziersjob fasziniert.

Grundsätzlich sollte ich als Kadettin den Bordbetrieb als Rangniedrigste von unten her kennen lernen und zuerst einmal „richtig arbeiten“, bevor ich nach Abschluss des Studiums als Offizier das Kommando übernehme. Einerseits war ich das unerfahrenste Crewmitglied und wurde eher zur Deckscrew, den Matrosen, gezählt, aber andererseits war ich auch angehende Offizierin und gehörte zum Brückenpersonal – ein Spagat. Das hat an Bord natürlich auch Auswirkungen auf den Umgang mit der Besatzung. Zum Glück sind die Strukturen heute nicht mehr so streng wie früher. Abhängig vom jeweiligen Offizier wurde ich mal mehr und mal weniger in seine Arbeit eingebunden, manchmal durfte ich leider nur zugucken.

Dass auf einem Schiff Arbeit und Freizeit am selben Ort stattfinden, also mit den Arbeitskollegen (von denen ich gewiss nicht jeden zum Freund haben will) auch die Freizeit verbracht werden muss, ist eine der vielen Herausforderung des Seefahrerlebens. Auf der Apollo hatte ich zu den meisten Kollegen leider kein gutes Verhältnis und wollte in meiner Freizeit nicht auf Brücke gehen. Für solche Zwecke hat jeder Seefahrer eine Festplatte gefüllt mit Filmen an Bord und vertreibt sich so den Abend. Um meinem Frust und Ärger Luft zu verschaffen, habe ich den Fitnessraum genutzt. Besonders weil mir der Job an sich so viel Freude bereitet, war ich sehr niedergeschlagen, ein solches Pech mit der Crew zu haben. Nach einer gewissen Zeit habe ich zu den Ingenieuren Kontakt aufgebaut und war sehr froh über den sozialen Austausch – denn Wochen ohne zumindest ein wenig Smalltalk können echt einsam sein und sich sehr langziehen. Doch dann kamen zwei neue Offiziere an Bord, woraufhin sich meine Stimmung um 180 Grad gewendet hat. Von beiden habe ich sehr viel gelernt, ich durfte oft selbständig arbeiten und wir waren auch mal zusammen an Land. Einen Crewwechsel empfand ich immer als abwechslungsreich und erfrischend.

Auf der Leander und der Avalon herrschte eine angenehme Bord-Atmosphäre. In meiner Freizeit an Bord habe ich mit den Filipinos Tischtennis und Karten gespielt. Besonders gerne habe ich Karaoke gesungen – das gehört zum asiatischen Lebensstil dazu und auch wenn nicht jeder Seemann ein begnadeter Sänger ist, dürfen alle hier ihre Emotionen rauslassen und keiner wird ausgelacht. Vor allem mit den Filipinos, einfachen, aber irgendwie zufriedenen und glücklichen Menschen, habe ich mich stets sehr gut verstanden und konnte viel über deren Kultur lernen.

Am Ende meiner Praxiszeit war ich etwas erschöpft von der körperlichen Arbeit, den zahlreichen Überstunden und den vielen Nachtschichten und bin ein wenig wehmütig, das Seemannsleben nun wieder für eine längere Zeit gegen das Landleben einzutauschen und stolz, die 367 Tage auf See gemeistert zu haben, die Gangway vorerst ein letztes Mal herunter gegangen. Einerseits war ich ein bisschen unsicher, wie ich mich wohl an Land wieder einleben würde, aber andererseits natürlich überglücklich, Freunde und Familie wiederzusehen.

Erfreulicherweise hatte ich zum Großteil gute Ausbildungsbedingungen, konnte viel fragen und durfte unter Aufsicht die Offiziersarbeit erledigen, sodass ich mich von der Praxis her gesehen für den Offiziersberuf gewappnet fühle.

Fasziniert von der Seefahrt freue mich jetzt im Studium die Praxis durch theoretisches Hintergrundwissen zu ergänzen und eventuell nach einem Masterabschluss in ein paar Jahren als Offizier zur See zu fahren – mit dem Traum Kapitän auf einem LNG-Tanker zu werden!

 

Ich bin Melanie.

Aufgewachsen bin ich im Taunus, also etwas  entfernt von der See. Zu dieser hingezogen hat es  mich aber trotzdem. So hat mich das Meer schon  von klein auf fasziniert. Eine Begeisterung für  Technik hatte ich auch schon immer. Auf die Idee  zur See zu fahren kam ich damals aber noch nicht,  stattdessen wollte ich Feuerwehrfrau werden. Ein  Schlüsselerlebnis hatte ich dann mit 8 Jahren: Wie  jeden Sonntag schaute ich die Sendung mit der  Maus. Da kam dann auch eine Vorschau auf  „Fortsetzung folgt – die Doku“ über das  Ferienfahrerprogramm, die am Nachmittag  gesendet werden sollte. Fernsehen am  Sonntagnachmittag – streng verboten in der  Erziehung meiner Eltern. Da ich allerdings allein  von der Vorschau so fasziniert war und die  Sendung unbedingt schauen wollte, gab es eine  Ausnahme. Am gleichen Nachmittag habe ich  dann meinen Eltern angekündigt: Ich will zur See  fahren! 

Von da an habe ich mich für das Thema Seefahrt  begeistert. So habe ich während meiner Schulzeit  verschiedene Sportbootführerscheine und  Funkscheine gemacht und bin in den Ferien auf  der Alexander von Humboldt II mitgefahren. 2013  bin ich dann als Ferienfahrerin auf der „Andromeda J“ im Feederdienst auf Nord- und  Ostsee gefahren und wäre am liebsten an Bord geblieben anstatt noch ein Jahr die Schulbank zu  drücken. Mit dem Abitur in der Tasche habe ich  dann im August 2014 meine Ausbildung zur  Nautischen Offiziersassistentin bei Hapag-Lloyd  angefangen. In dieser Zeit hatte ich unheimlich  tolle Reisen mit Crews, in denen ich mich absolut wohl gefühlt habe und die mir eine Menge  beigebracht haben. Ich denke, wenn man nach  einem anstrengenden Arbeitstag total geschafft  unter der Dusche steht und sich tierisch auf den  nächsten Tag freut, weil dieser genauso wird, hat  man das Glück, im Traumberuf zu arbeiten. Während meiner Ausbildung habe ich Inka kennengelernt, die mir viel über den Verband Frauen zur See berichtet hat.

Im Sommersemester 2016 habe ich mit dem  Nautik-Studium in Elsfleth angefangen und mir auch den Workshop in Bremerhaven  angeschaut. Dieser hat mir so gut gefallen, dass ich direkt Mitglied geworden bin und mich auf jeden weiteren Workshop freue. 

Mittlerweile besuche ich das 5. Semester und  habe mich sehr gut in meiner neuen Heimat  Elsfleth eingelebt. Meine Freizeit verbringe ich  sehr gerne draußen an der frischen Luft: Beim  Kutterpullen auf der Hunte oder beim Spazieren  und Angeln. Zudem schwimme ich sehr gerne und bin als Schriftwart der Aktivitas der NK Visurgis aktiv. 

Seefahrt ist ein Erfahrungsberuf. Ich bin der  festen Überzeugung, dass ich in der Schule  zwar eine Menge lerne, was ich später ohne  Zweifel brauchen werde, aber dass man wirklich  ‚Schiff fahren‘ nur an Bord lernen kann. Daher  verbringe ich meine Semesterferien im Sommer  auf See. Und mal ganz ehrlich: 3 Jahre an Land  – das würde ich gar nicht aushalten!  

Diesen Sommer bin ich auf der Valparaiso  Express gefahren: Noch kein Jahr alt, 333m  lang, 48m breit, 34224 KW und 10589 TEU, 1x  Südamerika und wieder zurück – Auf geht’s! 

Anmusterung war am CTA in Hamburg, dann  ging es über Antwerpen nach Le Havre. Hier ging es mit dem Kapitän und dem Seemannspastor erstmal an Land um  französischen Käse und Baguette zu kaufen.  
Dann ging es auf den großen Teich mit Kurs Südamerika. Ich durfte den Ersten Offizier auf  seiner Wache begleiten und habe sehr viel erklärt bekommen. Ein großes Thema hierbei  war zum Beispiel die KVR und der  Manöverpunkt. Zudem habe ich die beiden  Ferienfahrer an Bord betreut, übrigens zwei Mädels! Nach mehr als einer Woche Atlantik  ging es dann durch die Mona Passage in die Karibik und nach Cartagena/Kolumbien. Cartagena hat eine interessante Revierfahrt mit einer sehr schmalen Fahrrinne  in der Ansteuerung. In Cartagena ging es am  Nachmittag noch an Land, für mich das erste  Mal den Fuß auf den südamerikanischen Kontinent setzen. 

Danach ging es nach Manzanillo und anschließend direkt in den Panama Kanal. 

Nach den Agua Clara Locks haben wir erstmal das  Parkeisen im Gatun Lake geschmissen, die  Gelegenheit etwas Schlaf zu sammeln. Nach 2 Stunden dann Anker auf und ab durch den Kanal.  Das Steuern im Kanal war sehr spannend, da ich die  verschiedenen Effekte wie Bankeffekt etc. noch nie in  einer solchen Stärke kennengelernt hatte.  Während  des Gewitters sind wir dann durch die Cocoli Locks und ab auf den Pazifik mit Kurs Buenaventura.  

Auch in Buenaventura stand ein Landgang auf dem  Plan. Als die beiden Ferienfaherinnen und ich dann zurück aufs Schiff wollten, hieß im Terminal erstmal: Nein, 3 Frauen auf einem Schiff – das gibt es doch gar nicht! Nach dem Vorzeigen meines  Reedereiausweises und etwas Argumentation (Ja, es  gibt auch SeeFRAUEN!) wurden wir dann doch zurück an Bord gelassen.  

Anschließend ging es weiter mit Kurs auf Callao/Peru  – der Hafen von Lima. Aber auf dem Weg dahin brauchten 8 Besatzungsmitglieder, darunter auch ich, erst einmal Neptuns Erlaubnis, uns auf der Südhalbkugel bewegen zu dürfen. Also wurden wir gefangen, kamen ins Gefängnis, mussten zum  Friseur und zum Arzt, für Neptuns Frau einen Fisch  aus dem Pool holen ohne die Hände zu benutzen und  sind vom Priester getauft worden. Jetzt dürfen wir uns auch auf der Südhalbkugel frei bewegen. 

Anschließend ging es über Puerto Angamos in der Atacama Wüste weiter nach Valparaiso. Hier musterten die beiden Ferienfahrer ab und ich konnte mich wieder mehr auf meine eigene Ausbildung  konzentrieren. So ging es entlang der Anten wieder in Richtung Panama Kanal. Die Tierwelt Südamerikas hat sich sogar auch auf beeindruckende Art gezeigt: Von Delfinen über fliegende Fische, Pelikane bis hin zu springenden Walen war alles dabei. 

Nun ging es durch den Kanal durch, Manzanillo, Cartagena und nach Caucedo in der Dominikanischen Republik. Nach Caucedo ging es über den großen Teich zurück nach Europa, zusammen mit über 900  Reefern. Eine große Zahl der Kühlcontainer war mit Bananen beladen. Für mich war es eine perfekte Gelegenheit um viel über Kühlcontainer und deren Besonderheiten zu lernen.  

Während der Atlantiküberquerung ist dann auch das wahrscheinlich größte Projekt der Reise fertig  geworden: Der Umbau des Safety Store. Hier haben Safety-, Deck- und Enginedepartment Hand in  Hand gearbeitet. Nach ausführlicher Planung, dem Anfertigen von technischen Zeichnungen, Schweißarbeiten und Malarbeiten hat die Valparaiso Express nun einen sehr praktischen Safety Store.  Es gab sogar eine Eröffnungsfeier, auf der der Kapitän das Band (Eine endlose EGC Nachricht)  durchgeschnitten und der 2. Offizier aus SOLAS zitiert hat. 

Auf der anderen Seite des Atlantiks angekommen, ging es durch den Englischen Kanal, über Rotterdam und London Gateway in die Deutsche Bucht. Bei der Übergabe der letzten Seewache für diese Reise war das Racon Elbe 1 schon in Sicht. 

In der Nacht ging es die Elbe rauf nach Hamburg und ab ans CTA. Eine sehr gute Freundin, die übrigens  auch Nautik studiert, hat mich dann von Bord abgeholt.  

Während der Reise auf der Valparaiso Express konnte ich eine Menge dazulernen und neue  Erfahrungen sammeln sowie bisher Gelerntes anwenden. Jetzt geht‘s erstmal wieder ein Jahr  studieren, aber auf meine nächste Reise freue ich mich schon jetzt! 

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